Störungsticker:

Schüler für kostenlose Tickets

Als am 24. September diesen Jahres das Thema „SchülerInnenfahrkarten“ im Braunschweiger Jugendhilfeausschuss (JHA) auf der Tagesordnung stand, stürmten 40 kurzfristig mobilisierte Jugendliche den Sitzungssaal. Im Gepäck hatten sie ein Transparent mit der Aufschrift „Kostenlose Bus- und Bahntickets für alle Schüler_Innen und Azubis“ Sie waren gekommen, um den StadtschülerInnenrat (SSR) zu unterstützen, der dem Ausschuss die Ergebnisse der AG SchülerInnenfahrkarten gemeinsam mit dem Stadtjugendring und der Braunschweiger Verkehrs GmbH prä- sentieren sollte. Die AG wurde im letzten Jahr auf Bitte des JHA vom Jugendring Braunschweig eingerichtet, nachdem das Thema „Bus- und Bahnfahrkarten“ bei der Jugendkonferenz 2013 erneut einen sehr hohen Stellenwert hatte. So erhalten SchülerInnen allgemeinbildender Schulen der Jahrgänge 1-10, die mehr als 2 km von ihrer Schule entfernt wohnen, in Braunschweig eine kostenlose Sammel-Schülerzeitkarte, die während des gesamten Jahres mit Ausnahme der meisten Ferienzeiten im gesamten Stadtgebiet gültig ist. Alle, die weniger als 2 km von ihrer Schule entfernt wohnen, sowie SchülerInnen der Oberstufe und fast alle BerufsschülerInnen haben jedoch das Nachsehen. Sie zahlen für eine SchülerInnenmonatsfahrkarte für das Stadtgebiet aktuell 46,50 EUR pro Monat. In der AG wurden daher unverbindlich zwei alternative Modelle erarbeitet und die voraussichtlichen Kosten für die Stadt berechnet. VertreterInnen sämtlicher Fraktionen, des Jugendamtes, des Schulamtes, der Braunschweiger Verkehrs GmbH, des Stadtelternrates, des StadtschülerInnenrates, des Jugendmigrationsdienstes Caritas, der letzten Jugendkonferenz, des Stadtjugendrings und der Gewerkschaftsjugend waren daran beteiligt. Nach dem ersten Modell würden alle Braunschweiger SchülerInnen und BerufsschülerInnen das gesamte Jahr ohne tageszeitliche Einschränkungen im Stadtgebiet Braunschweig kostenlos Bus und Bahn fahren. Die dadurch entstehende Defizitsteigerung der Verkehrs-GmbH in Höhe von voraussichtlich ca. 4,2 Millionen EUR müsste die Stadt übernehmen. Das zweite Modell sieht vor, dass für alle, die bisher einen Anspruch auf kostenlose Beförderung zur Schule in Form einer Sammel-Schülerzeitkarte haben, alles so bleiben würde wie gehabt. Ihnen würde jedoch angeboten, die Gültigkeit für die Ferienzeiten für 45 EUR dazu zu kaufen. Alle anderen in Braunschweig gemeldeten SchülerInnen und BerufsschülerInnen würden eine kostenlose Fahrkarte erhalten, die die gleichen Eigenschaften besitzt wie die Sammel-Schülerzeitkarte. Diese wäre jedoch unter der Schülerkarten Woche während der Schulzeiten erst ab 9:00 Uhr gültig, um die problematischen Stoßzeiten nicht zu belasten. Es gäbe aber die Möglichkeit, die Gültigkeit für diese Zeiten für 20 EUR pro Monat oder 150 EUR im Jahr sowie die Gültigkeit für die Ferienzeiten für 45 EUR mit dazu zu kaufen. Den verbleibenden Defizitanstieg der Verkehrs-GmbH in Höhe von geschätzten 2,3 bis 2,7 Millionen EUR müsste die Stadt übernehmen. Die Resonanz im JHA auf die Vorschläge und das Engagement der SchülerInnen war durchweg positiv. Die VertreterInnen der Fraktionen machten aber auch deutlich, dass die voraussichtlichen Kosten für die Stadt so hoch sind, dass eine Umsetzung oder Teilumsetzung eines der von der AG erarbeiteten Modelle bei der derzeitigen Haushaltslage äußerst schwierig sei. Wenn die SchülerInnen erfolgreich sein wollten, müssten sie einen langen Atem beweisen und sich weiterhin so engagiert und ambitioniert für ihr Ziel einsetzen. Dann bestünde eventuell die Chance, dass sie diesbezüglich etwas erreichen könnten. Derzeit laufen nun Gespräche des StadtschülerInnenrates mit den Braunschweiger Ratsfraktionen zu diesem Thema, an denen auch der Braunschweiger Jugendring teilnimmt. Sämtliche Fraktionen haben zugesagt, den StadtschülerInnenrat zu ihren Sitzungen einzuladen oder haben dies bereits getan. „Nun ist die Politik am Zug. Sie muss beweisen, dass sie die Forderungen und Wünsche der SchülerInnen ernst nimmt. Nicht warme und aufmunternde Worte, sondern Taten sind gefragt“, sagt Kai Fricke vom Jugendring Braunschweig. Die Schü- lerInnen wollen jedenfalls so lange weiterkämpfen, bis ihre Forderungen erfüllt werden. „Das war erst der Anfang, jetzt legen wir erst richtig los!“, verspricht Lysander Berg, SSR-Vertreter der Otto-Bennemann-Schule in Braunschweig

Quelle: BIBS
27,11,2015

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: