Störungsticker:

Pro-Bahn: Neue Züge nach Braunschweig und Wolfsburg – Abschied vom Nachtzug

Der Fahrplanwechsel am 13.12.2015 bringt für Hildesheim vor allem zwei Neuerungen: Zum einen wird der Regionalverkehr nach Braunschweig und neu weiter nach Wolfsburg deutlich aufgewertet, bis zu dreimal häufiger verkehren die Züge. Zum anderen entfällt nach 6 Jahren die einzige Nachtzugverbindung von und nach Augsburg und München.

Endlich ein sogar sehr gutes Angebot im Regionalverkehr nach Braunschweig – darauf haben Pendler aus der Region Hildesheim lange Jahre warten müssen. „Die Strecke von Hildesheim über Hoheneggelsen nach Braunschweig befindet sich seit 2010 im Dornröschenschlaf”, sagt Björn Gryschka von Pro Bahn. Sein Verband hatte 2010 mit zahlreichen Aktionen und der Kampagne ”Stoppt den Kahlschlag” für den Erhalt des damaligen Mindestmaßes von 10 – 12 Zügen gekämpft – leider vergeblich, da der Zweckverband Großraum Braunschweig sich damals zu sehr verkalkuliert hatte. So wurden seit 2010 nur noch 5 – 9 Züge täglich eingesetzt – die schwächste Verbindung zweier benachbarter Großstädte in Deutschland.

Verglichen damit erwarten den Fahrgast nun paradiesische Zustände auf der Strecke. „Ab Dezember werden bis zu 19 Züge täglich fahren. Damit wird das bisherige Angebot mehr als verdoppelt. Darüberhinaus fahren alle Züge bis Wolfsburg, so dass zwischen Hildesheim und der VW-Stadt erstmals attraktive Verbindungen mit unter 50 Minuten Fahrzeit entstehen”, zeigt sich Gryschka von dem neuen Angebot angetan. Besonderer Clou: „Erstmals in Deutschland werden fabrikneue Elektrotriebwagen namens ”ENNO” eingesetzt, die den Fahrgästen kostenloses WLAN bieten. Die Fahrzeit nach Braunschweig reduziert sich bei 160 km/h Höchstgeschwindigkeit von 33 auf 27 Minuten und ist damit nur noch 4 Minuten länger als mit dem ICE. Dem neuen Betreiber metronom, im Landkreis Hildesheim bereits im Leinetal aktiv, ist zu wünschen, dass die damaligen Fahrgäste und zahlreiche weitere auf die Schiene zurückkehren”, meint Gryschka.

Zum 01.01.2016 steigen die Fahrpreise in Niedersachsen um 0,7 %. Das sieht Gryschka in der Region Hildesheim, in der nur noch moderne Züge im dichten Takt verkehren, als akzeptabel an: „Wenn dem Fahrgast mehr Leistung durch bessere und häufigere Verbindungen geboten wird, ist er auch bereit, dies zu honorieren.”

Leider gilt es auch von einer langjährigen Verbindung Abschied zu nehmen: Hildesheims einziger Nachtzug, der mit Abfahrt um 0.20 Uhr eine Direktverbindung mit Augsburg und München herstellte, wird nach sechs Jahren eingestellt. „Schade z. B. für manchen Skitouristen, der mit diesem Zug alpine Abfahrten bereits am Morgen erreichen und so einen Urlaubstag gewinnen konnte”, sagt Gryschka. Letztlich reihe sich die Einstellung dieser Verbindung aber nahtlos ein in die Konzeptlosigkeit, die die Deutsche Bahn beim Nachtverkehr zeige: „Nach Einstellung der Autoreisezüge auch ab Hildesheim bereits im letzten Jahr war die Einstellung des letzten Nachtzuges irgendwann zu erwarten.” Damit endet auch eine Kuriosität: Die Zuglaufschilder wiesen neben ”Hildesheim Hbf” auch den Halt in ”Hildesheim Gbf”, dem Güterbahnhof, aus. Dort wurden jede Nacht zwei Teile des Zuges aus Hamburg und Berlin zusammenrangiert. „Damit dürfte der Hildesheimer Güterbahnhof der einzige Güterbahnhof Deutschlands mit offiziellem Personenzughalt gewesen sein – auch wenn man natürlich nicht aussteigen durfte”, schmunzelt Gryschka.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: